Eine Fortbildungstagung für Lehrer der Alten Sprachen an der Universität Erlangen - Nürnberg
Das Programm der Tagung vom 5. Februar 2010 "Stoisches und Epikureisches" finden sie hier.
(Das Programm früherer Didagmata-Tagungen
finden sie im Didagmata-Archiv.)
Einmal im Jahr, am Ende des Wintersemesters, werden seit 1986 in Erlangen für Lehrer der Alten Sprachen didagmata, "Lehrstücke", zur Übertragung und Einarbeitung in die Praxis des gymnasialen Unterrichts ausgewählt und dargeboten. Diese Fortbildungsveranstaltung wurde vor fünfzehn Jahren von Prof. Dr. Joachim Gruber begründet und, nach seiner Berufung nach München, vom Erlanger latinistischen Lehrstuhl fortgeführt. Sie sollte im Rahmen der bestehenden Angebote in der Lehrerfortbildung ihre Eigentümlichkeit darin haben, dass sie als eine von universitärer Forschung und Lehre getragene Veranstaltung ein fachbezogenes oder anderweitig festgelegtes Thema in Vorträgen mit anschließender Aussprache behandelt.
Im Wesentlichen hat die Tagung diesen Charakter über die Jahre beibehalten, wenn auch inzwischen die "Didagmata" nicht mehr nur wie zu Anfang aus den eigenen Reihen der altertumswissenschaftlichen Fächer kommen, sondern innerhalb der Universität fast immer fachübergreifend sind und in der Regel dafür überdies Vortragende aus anderen Universitäten gewonnen werden. Die Zusammenarbeit mit den Disziplinen, die unmittelbar mit den Unterrichtsfächern an der Schule zu tun haben, ist durchaus erstrebt, doch nicht zwingend, da es Universalia gibt, die eine solch enge Grenzziehung nicht immer tunlich erscheinen lassen.
Die Trägerschaft verteilt sich auf das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die Bezirksfachgruppe Alte Sprachen - Mittelfranken im Bayerischen Philologenverband und den Lehrstuhl Latein. Dankenswerterweise hat das Ministerium von vorneherein seine Unterstützung nicht nur auf Mittelfranken, sondern auch auf das südliche Oberfranken, also den Forchheimer Bezirk in nächster Nachbarschaft, ausgedehnt. Zur Freude der Veranstalter finden sich inzwischen immer mehr "Ehemalige" auch von ihren Dienstorten außerhalb dieses Gebiets ein, wenn es eben die schulische Situation erlaubt. Da die Veranstaltung noch auf den letzten Semestertag fällt, ist ebenfalls den Studenten die Gelegenheit gegeben, teilzunehmen, wie überhaupt die Vorträge grundsätzlich universitätsöffentlich und für alle Interessierten zugänglich sind. Daher wird die Tagung auch in der regionalen Presse angekündigt. Der Zuspruch ist recht erfreulich, so dass daraus wohl auf ein weithin und auch künftig annehmbares Konzept des "Didagmatags", um eine scherzhafte Verbiegung des Titels aufzugreifen, geschlossen werden darf.
Um die Beschreibung dieses äußeren Rahmens durch das inhaltliche Bild zu ergänzen, soll eine kurze Vorstellung der Themen folgen. Die erste Tagung war durch die Besonderheit ausgezeichnet, dass neben Vorträgen auch eine Podiumsdiskussion über die Situation der Alten Sprachen stattfand. Die dann folgenden Veranstaltungen waren so konzipiert, dass die Tagung jeweils von den altertumswissenschaftlichen Disziplinen bestimmt war: von der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, der Alten Geschichte, der Indogermanischen Sprachwissenschaft, der Archäologie und der Klassischen Philologie. Die Tagungen der Jahre nach 1990, die dann unter dem Titel "Didagmata" liefen, befassten sich jeweils mit einem Hauptthema: 1991 "Antike Philosophie", 1992 "Lehren und Lernen", 1993 "Orbis doctrinae". Diese Tagung stand im Zeichen des Jubiläumsjahres der Universität und bot vier Vorträge aus den alten 'lateinhaltigen' Fakultäten an: Theologie, Medizin, Jurisprudenz und Philosophie. 1994 hieß das Thema "Zur Sprache bringen", 1994 "Orpheus. Gestalt, Idee, Wirkung", 1996 "Archäologie", 1997 "Serta Studiorum", 1998 "Utopia", 1999 "Mensch und Zeit", 2000 "Kulturgut Reise", 2001 "Kleine Formen". Im Jahr 2002 wird es um "Kanon und Zensur" gehen.
Sieht man einmal von den rein altertumswissenschaftlichen Fächern ab, haben bisher, teils sogar mehrmals, nicht nur die Disziplinen, sondern auch die Referenten aus der Germanistik, Theologie, Medizin, Romanistik, Rechtsgeschichte, Philosophie, Neueren Geschichte, Geographie, Vor- und Frühgeschichte, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, freundlich mitgearbeitet. Einerseits übt dieses Ausgreifen über den engeren Bereich der Altertumswissenschaften hinaus eine gewissen Anziehungskraft auf die Hörerschaft aus. Andererseits ist es als gutes Zeichen zu werten, dass die Einbindung der Klassischen Philologie, insbesondere des Schulfaches Latein, aber auch des Griechischen, in das Spektrum der Disziplinen auf einen erfreulichen Widerhall stößt. So kann Latein weiterhin in seiner universitären und gymnasialen Stellung als grundlegendes Bildungsfach unserer Geistesgeschichte und Kultur eine tragende und bindende Wirkung entfalten und in seiner sprachlichen Besonderheit als souveränes, transaktuelles Fach auch einen moderierenden Einfluss auf allzu zeitgebundene und für die Bewältigung der Zukunft zu 'leichtgeschürzte' Vorstellungen und Bestrebungen ausüben. Es wäre leichtfertig, die besondere Stellung und besondere Beachtung, die das deutsche Gymnasium nicht zuletzt durch den Unterricht in den Alten Sprachen hatte, durch gezielte Beeinträchtigung aufs Spiel zu setzen, da es keinen wirklichen Ersatz für dieses Bildungsgut gibt. Einen bescheidenen, aber immer neuen Beitrag zum guten Alten, pro virili parte, mögen die Erlanger "Didagmata" leisten.
Severin Koster
Das Programm früherer Didagmata-Tagungen finden sie im Didagmata-Archiv.